Donnerstag, 26. Februar 2015

Coole Füsse, cooles Becken freche Knie - Drei Tipps für freie und schnelle Beine

Beinfreiheit und Beschleunigung in Bewegung durch Loslassen


Das Ausmaß an unbewusster Spannung, Druck und Steifheit, das wir im Rahmen unseres Alltags in den Beinen aushalten, ist groß. Die meisten Bewegungsaktivitäten werden durch mehr oder weniger dringliche Absichten und unbewusste Reaktionsmuster ausgelöst und ausgeführt. Auch im Sitzen und der Arbeit am Computer oder bei anderen Tätigkeiten sind wir oft unter Strom und die Beine müssen uns, unser Becken und unseren Oberkörper mit Druck hoch- und aufrechthalten, beziehungsweise nach unten ankern. Auch bei den sportlichen Aktivitäten in der Freizeit setzten sich diese Programmierungen in Bewegung fort, vermindern die Bewegungseffizienz und verschleißen die Gelenke. Druck und Verkürzungen, die nicht notwendig sind, führen unter anderem dazu, dass wir Beine, Füße und Becken - in Bewegung wie auch Ruheposition - immer weniger der Schwerkraft überlassen. So hemmen wir unabsichtlich die dynamischen Auswirkungen der Erdanziehung und lassen die Füße nicht so einfach und direkt "runter", wie es möglich wäre. Auch die Beine können dadurch nicht so schnell in die Länge entlassen werden und man tendiert, besonders wenn es schnell gehen muss dazu, mit zuviel Kraft nach unten zu treten. Es fehlt uns oft an einem Gefühl für unser Gewicht und unsere Masse.

Wenn wir unsere Masse und Schwerkraft bewusst wirken lassen, haben sie erleichternde und hilfreiche Auswirkung auf unsere Körperstellung und Bewegung.

In Bewegung wie in der Ruheposition ist der ungestörte Kontakt mit dem Boden oder der jeweiligen Unterlage Voraussetzung dafür, dass die Füße ihre Anker- oder Wurzelfunktion ausüben können. Das Ausmaß an Gelassenheit in unseren Füßen hat maßgeblichen Einfluss auf unsere Standfestigkeit. 

Wir können Entscheidungen über unseren Körper, mit ihm und aus ihm heraus treffen. Die Alexander-Technik lehrt uns im großen Stil, wie wir uns aus uns heraus dafür entscheiden können, auf eine Weise verkörpert zu sein, die uns gefällt.


Erster Tipp: Coole Füße

Ein Fuß, den wir beim Ankommen in Ruhe lassen, kann seine Kontaktfläche mit dem Boden direkt und optimal allen Herausforderungen des Gleichgewichts und der Bewegung anpassen. Die optimale Größe der Kontaktfläche mit dem Untergrund führt dazu, dass das optimale Maß an Tragkraft erzeugt wird, das notwendig ist, um uns in den jeweiligen Positionen zu stützen und den nächsten Schritt in perfekter Abstimmung mit der Gesamtkoordination zu ermöglichen.


Wieso Cool?

Uns in Ruhe oder "Sitzen" zu lassen stärkt die Erfahrung das wir von unten getragen werden, was viel Vertrauen und Bewusstsein für die Selbstorganisation unserer Körperstellung erzeugt. Es handelt sich dabei um die praktische, bewusste Entscheidung den unbewussten Druck, der da ist zu reduzieren und uns in einem bestimmten Bereich weniger zusammen zu nehmen. Die verschiedenen Strukturen und Systeme, die für unser Gleichgewicht, unsere Bewegungsabläufe und Koordination verantwortlich sind, können sich dadurch optimal an die jeweilige Absicht und Situation anpassen. Unser Gleichgewicht kann sich dann so gut wie möglich herstellen und alle Zusatzleistungen, die auf Muskelebene notwendig sind, können auf sinnvolle, vertrauenswürdige und körperintelligente Weise stattfinden. Ein sitzender Fuß kann wie eine Katzenpfote in optimaler Geschwindigkeit Kontakt eingehen, Trag- und Stützkraft empfangen und wieder in Windeseile seinen Standort aufgeben oder loslassen, wenn der nächste Schritt ruft. Das erzeugt unter anderem viel Leichtigkeit und Bewegungsfreieheit.




Zweiter Tipp: Cooles Becken

Das Becken hat eine wichtige Funktion als Körpermitte. Die Art und Weise, wie wir mit uns in unserem Becken sind, bestimmt, in welchen Ausmaß wir unseren Schwerpunkt für unsere Fortbewegung nutzen können und wie schnell und direkt wir die Veränderungen vonstatten gehen lassen, die durch die Verlagerung unseres Schwerpunktes und Zentrums von einem Bein auf das andere nötig sind. Der Kontakt, den wir dem Becken erlauben mit unseren Beinen zu haben, bestimmt, wieviel Auftrieb unsere Beine uns geben können. Dies hat einen großen Einfluss darauf, wie schnell unser Bein in die Länge entlassen wird, wie direkt dadurch der Fuß aufsetzen und die Stützkraft auf dem Weg vom Boden zum Kopf beim Becken ankommtUnser Becken sitzen zu lassen stärkt auch die innere Stabilität unserer Hüftgelenke. Diese Stabilität und das Vertrauen nach unten bedingen sich gegenseitig und geben uns Ruhe im Stehen und Beinfreiheit in Bewegung. Ein sitzendes oder cooles Becken ist eine optimale Heimat für die volle Größe und Weite des Kreuzbeins und erlaubt damit einen offenen und weiten unteren Rücken. Unser Becken in Bewegung "sitzen" zu lassen gibt unseren Schwerpunkt in die gewünschte Richtung frei und erzeugt so mühelose Beschleunigung.



Dritter Tipp: Freche Knie

In dem Ausmaß, in dem wir zulassen, dass die Beine das Becken tragen, geben wir unseren Knien die Erlaubnis, in die Vorwärtsrichtung unserer Bewegung zu streben. Wir können den Knien förmlich erlauben „auszubüchsen“ und neugieriger oder frecher zu werden. So bekommen sie größeren Einfluss auf die Gestaltung und Führung unserer Schritte. Es wird dann mehr Energie in den Raum vor uns frei gesetzt, beziehungsweise projiziert und die Bewegung bekommt mehr innere Richtung. Jenseits von angestrengter Muskelaktivität und Gewohnheit kann so eine wohlproportionierte Abstimmung unserer Schritte in allen Bewegungen kultiviert werden. Wenn die Kniestrecker-Muskel alleine die Schrittgröße bestimmen, wird der Schritt oft zu groß und die Ferse schlägt zu hart auf. Freie und freche Knie ermöglichen stattdessen, dem Unterschenkel im Bewusstsein seines Gewichts nach vorne zu schwingen und den Fuß im gleichen Bewusstsein mit sich zu bringen. Fuss und Unterschenkel werden so auch zum Teil durch ihr Eigengewicht nach unten gebracht bevor dass Spielbein durchgestreckt ist und jeder Schritt kann in guter Verbindung mit dem Rücken passieren.

Coole Füße, cooles Becken, freche Knie ist ein einfacher Schlüssel um in jeder Position, Situation und Bewegung, Vitalität, Dynamik und Ausrichtung frei zu setzten





Donnerstag, 2. Oktober 2014

Wenn du mehr im Herzen leben willst, lass deinen Kiefer frei!


In unserem Bestreben, sachlich und objektiv durchs Leben zu gehen und die Welt, die Dinge, unsere Mitmenschen und uns selbst zu verstehen, haben wir uns stark mit dem Verstand identifiziert und in unseren Kopf wie in ein Hinterstübchen zurückgezogen. Um immer alles genau im Blick zu behalten, haben wir unsere Beobachtungsgabe mit der Zeit perfektioniert. Die Sinne sind messerscharf geworden und die Reizreaktionsmuster haben sich "eingefleischt". Dadurch ist das Herz als Ort der Wahrnehmung unserer Realität immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Reflektion, "objektive Betrachtung", Nachdenken, Abwägen und Kalkulieren werden gemeinhin als die wichtigsten Manifestations- und Ausdrucksformen unserer Identität betrachtet. Der Glaube an diese augenscheinliche Objektivität und die Verhaftung mit dem Anspruch objektiv sein zu können, offenbaren die Grenze unserer Bereitschaft, Verantwortlichkeit bezüglich unseres Erlebens zu übernehmen und zu kultivieren. Der Glaube an Objektivität und Rationalität läutet das Ende unserer Selbstermächtigung ein. Er ermöglicht, die Eskalation unseres Wahrnehmungsmodus in Richtung Frigidität, einem Ausdruck höchsten Abgeschnitten-Seins von unserer Lebendigkeit, Gestaltungskraft und Ermächtigung.

Diese Abwärtsspirale eskaliert über folgende Stufen:
1. Objektivität, 2. Nüchternheit, 3. Ernst, 4. Sorge, 5. Ängstlichkeit, 6. Frustration, 7. Frigidität

In unserer psycho-physischen Sinnes- und Muskelkonfiguration drücken sich diese Dynamiken in körperlichen Phänomenen aus, an deren fragwürdiger Nützlichkeit aufgrund ihrer großen Verbreitung kaum jemand Anstoß nimmt. Übermässige Scharfsinnigkeit und Geschwindigkeit, Konzentration (angestrengte Fokussierung), sich zusammennehmen, Stirnrunzeln, sich unter Druck setzen, die Luft anhalten, hartnäckig sein, eine ernste Miene machen, die Zähne zusammen-beißen und den Po zusammenkneifen sind Phänomene, die uns trotz fataler Aus-wirkung auf Ausstrahlung, Körperstellung und Wohlbefinden selten zu denken geben. 

Der natürliche und entspannte Kieferschluss, der bei jedem Schluckvorgang stattfindet, ist eine wichtige Stabilisierungs- und Abstimmungshilfe für unser Gleichgewichtssystem. Gleichzeitig sind in der Kiefermuskulatur (wie in allen Körperzellen und Gewebsstrukturen) alle schmerzhaften Bewältigungsmomente unseres Lebens abgespeichert.

Die Saugrate ist ein Messwert, der bei Babys die Bewältigungsintensität abbildet, die zur Konstitution der Persönlichkeit führt. Dies ist gut zu beobachten, wenn ein Kleinkind, das mangels Bewältigungsmöglichkeit bezüglich seines emotionalen Erlebens den Schnuller in den Mund bekommt und durch Saugen und Runterschlucken von der Quelle seines Unwohlseins und seinem emotionalen Prozess abgelenkt wird. Die Intensität seiner Reaktion wird dabei in energetische Verdichtung investiert, die sein Selbst aufbaut.

Durch den konkreten physischen Druck, der durch den Verschluss des Kiefergelenks erzeugt wird, hebeln wir auch noch als Erwachsene unser Bewusstsein in die kognitiven Hinterstübchen unseres Verstandes und verbarrikadieren uns darin. 


Andererseits sind alle spontanen und positiven emotionalen Zustände mit unwillkürlichem Zulassen von Atemimpulsen verbunden, welche die Luft - „so wie sie es will“ - durch den Mund einströmen lassen. Beim Staunen, zufriedenen Seufzen, Lachen, Lächeln, Gähnen und Jauchzen räumen wir so unserem autonomen Nervensystem unbewusst mehr Anteil an unserem Entwicklungsprozess und Selbsterleben ein. 

Indem wir das Druckniveau im Kieferbereich reduzieren, können die emotionalen Hintergründe unserer kognitiven Prozesse energetisch in unser Bewusstsein zurückkommen und in unserem Herzen transformiert werden. Wer bereit ist, dieses Experiment zu wagen und auch in schwierigen Situationen zulässt, dass die Luft öfter durch den Mund einströmt, wird vom Ausmaß und von der Direktheit überrascht sein, in der stimmungsmäßige Deutlichkeit und Intensität in das Erleben zurückkehren.

Die kognitive Reaktionsdynamik reduziert sich und die Fähigkeit zu emotionaler Gegenwärtigkeit nimmt zu. Dadurch können alle vergrabenen emotionalen Stauungen durchgefühlt und losgelassen werden und wir befreien uns von diesen tickenden Zeitbomben.



In dem Mass, in dem wir es vermeiden, uns in die kognitive Bewältigung von herausfordernden Emotionen und Situationen zu verbeißen und diese „Knochen“ unser Meinungen, Rechtfertigungen und Rechthabereien loslassen, können unser Herzbewusstsein und unsere Herzkraft, die für unser Glücklichsein und unsere Gesundheit ausschlaggebend sind, wieder Einzug in unser Leben halten.

Wenn wir die Wandlungs- und Gestaltungs-fähigkeit unseres Herzraumes wieder in Besitz nehmen, bekommt unser Leben seine Echtheit und Saftigkeit zurück. Wir erlangen einerseits selbstverständliche Kompetenz und Verantwortlichkeit in der Bewältigung von Problemen, Konflikten, Zweifeln und Depressionen. Andererseits nimmt auch das Bewusstsein für unsere Autorität bezüglich unseres Erlebens und Zukunftgestaltens zu, weil Liebe, Inspiration und Verbundenheit in immer mehr Bereiche unseres Lebens Einzug halten und sprudeln können.